Gründung einer Narrenzunft – Wiederaufnahme des Fastnachtsbrauchtums

 

Am 01. April 1965 konstituierte sich die Narrenzunft Bleichheim. Die Gründungsmitglieder unterzeichneten im damaligen Gasthaus „Vetter am Bach“ die Satzung, die als Grundlage und Wegweiser fortan für das nun blühende Bleichheimer Fastnachtsbrauchtum galt. Es war schon eine großer Erfolg, als es die euphorischen Fasnetsfreunde unter anfangs enormen Schwierigkeiten ermöglichten, die alemannische Fastnacht der Altvorderen wieder heimisch und lebenfähig zu machen.

 

Gestaltung des Zynduss- Narren

 

Der „Zynduss“ – die Narrengestalt der Narrenzunft – war längst geboren, entlehnt von einem uralten, einheimischen Träger dieses Spottnamens, der nach mündlichen Überlieferungen eng mit der Bleichheimer Fasnet verknüpft war. Zynduss, eine echte örtliche, alemannische Sprachschöpfung, ist nichts anderes, als die Bezeichung für einen Laternenanzünder. Dieser Lichtanzünder, seine Familie und Nachkommen, nannte man im Volksmund kurzerhand s’Zyndusse, also diejenigen, die bei Anbruch der Dunkelheit die mit Petroleum gefüllten Dorflampen anzündeten. Eine perfekte Symbiose von Realität und Symbolik. Die Fröhlichkeit der Feste und die Ernsthaftigkeit des Alltags und somit die Fixierung grundlegender menschlicher Regungen spielgen sich im Antlitz der holzgeschnitzen Larve – die Maske, die Bildschnitzer Josef Tränkle aus Elzach hervorbrachte. Nach dem einheimischen Ausspruch „Aer hets Lachea un s’Hiilea in einem Saeckli!“ zeigt sich der Zynduss mit einer heiteren und einer traurigen Gesichtshälfte.

 

Beschreibung des Narrenhäs

 

Nachdem sich die Bleichheimer Fasnet nicht nur auf fastnächlichte Historie, sondern vor allem auch auf die Alltagskultur stützt, diente der alte, zwillchen (leinene) Bauernkittel in Anlehnung an die Arbeitsbluse (Schaffblüs) als Vorlage für das Narrenhäs. Bundgestickte Bänder säumen die Kittelränder. Später kam dazu eine halblange, dunkelgrüne, tuchene Hose. Beim Larven- oder Schultertuch wurde wieder ein helleres Grün bevorzugt. Es kontrastiert hervorragend mit der naturfarbenen Scheme. Das Wappen der ehemaligen Gemeinde Bleichheim vervollständigt, auf der linken Brustseite angebracht, das Narrenkleid der Zynduss. Anstelle des von „s’Zyndusse“ verwendeten Hütchens zum Löschen der Lichter, bekam der Bleichheimer Narr eine dreizinkige Heugabel aus Holz in der früher gebräuchlichen Form. Diese dient als Beispiel der Sinnlosigkeit der Narrheit. Anstelle das Arbeitsgerät als Ausdruck eines mühseligen Daseins zu verstehen, dient es dem Zynduss als Hilfsmittel, die Garben des fiktiven Narrensamens auf Straße und in Geist zu bündeln. Als Phallussymbol assoziiert es die triebhafte Narretei, als Pieksinstrument kann es als nicht- sprachliches Rügemittel und Neckerei eingesetzt werden.

 

 

© Josef F. Göhri 2012